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Herr
Ralf Sassenberg
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Vaterländischer Frauenverein (1867 - 1937)
Der österreichisch-italienische Krieg1859 und das Erlebnis des jungen Schweizers Henry Dunant auf dem Schlachtfeld von Solferieno gaben den Anstoß zu weiteren Initiativen.
In Preußen wurden 1866 die ersten nationalen Hilfsgesellschaften gegründet. Königen Augusta zollte den Frauen, die an allen Fronten als Schwestern tätig waren, große Anerkennung und war bemüht, diese Helferinnen dem Preußischen Roten Kreuz zu erhalten. So entstand am 11.November 1866 der "Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz" mit der Bestimmung, im Krieg dem Volk unter Waffen, im Frieden der Linderung der Not zu dienen.
In Minden entwickelte sich aus dem am 31.März 1854 gegründeten "Frauen- und Jungfrauenverein" der "Vaterländische Frauenverein". Zu den Aufgaben zählten die Fürsorge für kranke und verwundete Soldaten sowie die Unterstützung der Soldaten, Witwen und Waisen.
Seit dem 1. Oktober 1867 rechnet die Geschichte des "Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz" in Minden.
Im Krieg 1870/71 wurden die Helferinnen aufs neue hart gefordert, als im Krankenhaus an der Brüderstraße ein Lazarett und auf dem Bahnhof eine Verbands- und Erfrischungsstation eingerichtet wurde.
Die folgenden Friedensjahre gestatteten dem "Vaterländischen Frauenverein", sich vorwiegend seiner Bestimmung zu widmen. Neben der allgemeinen Arbeit unterstanden diesem Verein besondere Einrichtungen wie das Siechenheim, die Volksküche, die Station für Krankenpflegegeräte und die Bäderkuren.
Im Oktober 1910 wurde die Säuglingsfürsorgestelle ins Leben gerufen, die in Verbindung mit dem ev. Frauenbund betreut wurde.
1911 kam dann eine Fürsorgestelle für Tuberkulose hinzu. In diesem Jahr begannen auch die sechswöchigen Ausbildungskurse. Den Anstoß dazu gab der wachsende Druck der Kriegsopfer.
Dem Aufruf, "Hilfsvereine vom Roten Kreuz" zu bilden und an einem Ausbildungskurs teilzunehmen, folgte die doppelte Zahl derer, die zugelassen werden konnten. Zwanzig Helferinnen bildeten die erste Truppe, die (früher als man ahnte) dem "Volk in Waffen" ihre Dienste leisten sollte. In den folgenden Friedensjahren wurden weitere 58 Helferinnen ausgebildet, fast zweihundert folgten in den Kriegsjahren. In diesen Jahren erwies sich aber auch die Kraft einer verbindenden Idee. Immer schon waren Frauen aus allen Kreisen der Mindener Bürgerschaft Träger der Arbeit im "Vaterländischen Frauenverein" gewesen. Einige Vorsitzende aus diesen Jahren waren:
- der Regierungspräsident von Borries und von Lampe,
- die Gattin des Oberbürgermeisters Dr. Becker,
- Frau Geheimrat Meyer,
- sowie mehr als 15 Jahre Frau Eugenie Hoppe.
Die Liste derer, die helfend tätig waren, würde ein Adressbuch füllen.
Die Mindener Ärzteschaft war dem "Vaterländischen Frauenverein" stets zugetan. Die erste Ausbildung von Helferinnen leitete Oberstarzt Dr. Schweringer, später waren es Dr. Laup, Dr. Heilmann, Dr. Rockstroh, Dr. Mudow, Dr. John und Frau Dr. Schwarting. In den Wohlfahrtseinrichtungen engagierten sich Prof. Walzberg, Medizinrat Dr. Sudhölter und Dr. Reimann, die teilweise Jahrzehnte mit ihrem Rat und Beistand für den Verein tätig waren.
Am 1. Oktober 1917 erhielt der "Vaterländische Frauenverein" in Minden eine Urkunde von der deutschen Kaiserin und König von Preußen, Auguste Victoria, in der sie zum 50jährigen Bestehen gratulierte:

- Foto: Urkunde zum 50jährigen bestehen / DRK
Mit Unterstützung der Stadt Minden wurden in den dreißiger Jahren in der Prinzenstraße 10 ein Waisenheim für die Betreuung elternloser Kinder aus der Stadt und Land eingerichtet. In der NS-Zeit wurde es seiner selbstständigen Leitung entzogen. Dieses war nur eine Maßnahme von vielen, mit denen man in dieser NS-Zeit das Eigenleben des "Vaterländischen Frauenvereins" zum Erliegen brachte.
Im Jahre 1937 schließlich wurden die bis dato selbstständigen Rotkreuzvereine in der Stadt Minden (der "Vaterländische Frauenverein" und die "Freiwillige Sanitätskolonne") zum "Ortsverein Minden des Deutschen Roten Kreuzes" vereinigt.
Die Strukturen des "Vaterländischen Frauenvereins" wurden nahtlos als Frauen-Bereitschaft weitergeführt.


