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Ralf Sassenberg


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Kriegersanitätskolonne des Roten Kreuzes (1894 - 1919)

Als der Kampfgenossenverein Minden schließlich gegen Ende des Jahrhunderts einging, übernahm der Mindener Kriegerverein die Mitglieder, das Vermögen und die Sanitätskolonne. Neuer Kolonnenführer wurde 1895 Christian Schmidt, neuer Kolonnenarzt Sanitätsrat Dr. Karl Schlüter, der Sanitätsrat Dr. Steinmeyer ablöste.

Krieger-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz des Kriegervereins Minden
Foto: Krieger-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz des Kriegervereins Minden / DRK

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts scheint eine Blütezeit der Kolonne gewesen zu sein. 1898 verfügte sie über drei Tragbahren mit Decken und Verbandkästen. Man bat die Stadt Minden erfolgreich um einen Zuschuss, von dem etwa 100 Verbandpäckchen á 0,25M (die alten waren verbraucht) und 3 Labeflaschen zu 3-4 Mark angeschafft werden sollten. 
Im Jahre 1901 bat man erneut um einen Zuschuss, um Ausbildungsmaterial beschaffen zu können. Es seien so viele neue Mitglieder zum Unterrichtscursus erschienen, dass das vorhandene Übungsmaterial nicht mehr ausreiche. Am Ende des Lehrgangs konnte der Vorstand der Sanitätskolonne dem Mindener Bürgermeister ankündigen: Euer Hochwohlgeboren beehren wir uns ergebenst mitzuteilen, daß am Sonnabend, den 23. d. M. abends 8 Uhr im weißen Saal der Tonhalle die Schlussprüfung der Sanitätskolonne des Kriegervereins stattfindet, wozu wir hiermit ergebenst einladen. Nach Schluss der Prüfung vereinigen sich die Mitglieder zu einem einfachen gemeinschaftlichen Abendessen (ohne Weinzwang). Mit vorzüglicher Hochachtung...  

Im Jahre 1902 führte die Kolonne eine größere Übung auf dem Landübungsplatz der Pioniere und dem Gelände der Staatsbahn durch. Im letzteren Fall war ein Zugunglück angenommen worden. 1903 wurde Kolonnenführer Christian Schmidt durch Karl Schnadthorst abgelöst.
1904 richtete die Sanitätskolonne im Gebiet der Stadt Minden sieben Unfallmeldestellen ein. Zu ihrer Ausstattung zählen Krankentrage, Verbandkasten, ein Verzeichnis der niedergelassenen Ärzte und ein Telefon.
Am 12. August 1905 übernahm das Rote Kreuz die Sanitätskolonnen der Kriegervereine in seine ausschließliche Verwaltung. Die Mindener Kolonne wurde dadurch ein eigenständiger Verein. Fortan nennt sie sich nicht mehr Sanitätskolonne des Kriegervereins Minden, sondern Krieger-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Minden.
1911 gab Kolonnenführer Schnadthorst sein Amt aus gesundheits- und Altersgründen an den bisherigen Schriftführer Heinrich Gravenkamp ab. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er für die Jahre 1912-1917 Jahresberichte anfertigte, wodurch gerade die Zeit des Ersten Weltkriegs besonders gut dokumentiert ist.
So fand 1912 z.B. eine Übung der Sanitätskolonnen des Regierungsbezirks Minden, des Kreises Lippstadt und der Fürstentümer Lippe und Schaumburg-Lippe in Bielefeld statt. Die Kolonne Minden war mit 40 Mann vertreten. Auf dem westfälischen Kolonnentag in Gelsenkirchen waren 30 Mitglieder dabei. Auf der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung von Sanitätseinrichtungen bekam das Mindener Kolonnenmitglied Ahlersmeyer die Bronzemedaille für einen Krankentragestuhl für Treppen und für eine Sanitätstasche, die von ihm hergestellt waren.
Im selben Jahr 1912 wurden 59 Krankentransporte auf ärztliche Anordnung durchgeführt; 240 mal wurde Erste Hilfe geleistet. Sanitätswachen wurden gestellt beim Mindener Freischießen, an zwei Fliegertagen auf der Minderheide und bei verschiedenen Sportveranstaltungen.

Schließlich kam der Erste Weltkrieg.

Von den 50 Mitgliedern der Kolonne wurden sofort 12 Mann zum Heeressanitätsdienst einberufen. Aufgrund ihrer guten Ausbildung wurden noch 1914 vier von ihnen zum Sanitätsunteroffizier ernannt. In der Stadt Minden errichteten die Rotkreuz-Vereine im Evangelischen Vereinshaus (früher Marienwall, Nähe Goebenstraße) ein Reservelazarett ein. Die Sanitätskolonne stellte auf dem Staatsbahnhof eine Dauerwache. Die Betreuung des Lazaretts teilte sie sich mit dem Vaterländischen Frauenverein.
1917 gab es schließlich nur noch 10 verfügbare Mitglieder. Deshalb hat die Kolonne freiwillige Helfer aus der oberen Klasse des (heutigen Rats-) Gymnasiums gestellt bekommen, die ihre Sache mit Eifer und gutem Erfolg gemeistert haben. Während des Ersten Weltkriegs (Zahlen nur für 1914-1917 verfügbar) transportierte die Sanitätskolonne mindestens 4269 Verwundete vom Staatsbahnhof zu den Aufnahmeeinrichtungen. Außerdem sind 245 Zivilpersonen befördert worden.

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